Mein Betriebspraktikum verbrachte ich in einer medizinischen Privatklinik in Rumänien. Durch Bekannte vor Ort, sowie Beherrschung der Sprache bot sich Rumänien daher an, um mein Interessengebiet der Neurochirurgie zu erkunden und zu erweitern.
Meine Arbeit begann meist um 8 bis 10 Uhr und endete im Nachmittagsbereich, je nach Belegung des Terminkalenders.
Zu Beginn des Praktikums erhielt ich einen Rundgang durch die Klinik sowie deren Ausstattungen. Dabei wurde ich mit den Hygienestandards bekannt, die zur täglichen Routine der Ärzte gehören. Während meiner Praktikumszeit hatte ich die Möglichkeit sowohl ärztliche Beratungen als auch unterschiedliche Untersuchungen zu beobachten.
In den zwei Wochen beobachtete ich unter anderem Blutabnahmen, Beratungen in der Magen-Darm-Medizin und half in dem Bereich der Physiotherapie und der Pädiatrie, beim Kinderarzt aus. Teil der Aushilfe beim Kinderarzt waren der Empfang von Patienten, das Beruhigen von Kindern bei Impfbesuchen, aber auch formalere Assistenzarbeit bei der Hilfe mit Dokumenten.
Besonders aufschlussreich war jedoch die Beobachtung zweier auswärtiger Neurologen, die an den Tagen vor Ort tätig waren. In der Praxis gewann ich einen Einblick in die Ursachen neurologischer Symptome, die häufig Empfindungs- oder Bewegungsstörungen wie Taubheitsgefühle oder Zittern sind.
Darüber hinaus verfolgte ich unterschiedliche Untersuchungsverfahren, die die Nerven der Patienten prüften. Interessant dabei war die Erkenntnis, dass die schmerzenden Körperstellen, nicht der Ort des Schadens waren, sondern Nervenwurzeln der Wirbelsäule infolge eines Bandscheibenvorfalls oder ähnlichen Verletzungen der Wirbelsäule. Ebenfalls zeigte sich mir, dass derartige Krankheiten nicht nur durch das Alter, sondern auch durch langzeitige schlechte Ernährung oder Störungen des Stoffwechsels, wie etwa bei Diabetes, verursacht werden können. Darüber hinaus erklärte mir der Facharzt, wie derartige Untersuchungen der Nerven dazu dienen, frühzeitig Anzeichen für Nervenkrankheiten zu erkennen, um diese rechtzeitig zu behandeln.
Als besonders beeindruckend empfand ich, dass der Neurologe nur anhand der Geräusche der gemessenen elektrischen Nervenimpulse eines Patienten, die Gesundheit der Nervengruppe bestimmen konnte.
Bei der Beratung eines Schlaganfall-Patienten konnte ich verfolgen, wie der Neurologe durch gezielte Untersuchungen der Reflexe, der Kraft und des Koordinationsgefühls, wie auch der Erfassung der bisherigen Krankheitsgeschichte, die Schäden und möglichen Ursachen für die Beschwerden eingrenzen konnte.
Eine weitere Einsicht ergab sich mir in Zwischengesprächen mit einem der Neurologen. Bis heute gibt es zu einer Vielzahl neurologischer Krankheiten keine Heilungsmethoden, da sich Neuronen im Gegensatz zu anderen Körperzellen kaum erneuern. Somit besteht ein Großteil der Arbeit der Neurologen darin, die Symptome seiner Patienten zu lindern und eine Verschlechterung des Krankheitszustandes aufzuhalten. Trotzdem kommen Forschungen in der Neurowissenschaft den Ursachen und möglichen Heilungsverfahren bislang unheilbarer Krankheiten näher.
Dieses Problem zeigte sich auch in den Gesprächen des Arztes mit den Patienten. Er versuchte vor allem, die Patienten ihren eigenen Zustand verstehen zu lassen. Nicht um sie zu verängstigen, aber auch nicht um ihnen ihre Beschwerden schönzureden, sondern ihnen ein echtes Bild der Situation zu verschaffen und ihnen zu zeigen, dass mit der richtigen Behandlung ihre Beschwerden deutlich gelindert werden könnten.
Mein Betriebspraktikum im Ausland in einer medizinischen Privatklinik zeigte mir die formalen Abläufe einer Klinik und begeisterte mich zudem für die besonders präzise und logische Herangehensweise der Neurologen bei der Diagnose neurologischer Krankheitsfälle. Das Praktikum hat mein Interesse weniger in Richtung eines bestimmten Fachgebietes, wie der Neurochirurgie, sondern eher in Richtung der Neurowissenschaft im Allgemeinen verstärkt. Vor allem die Gespräche über den mangelnden Forschungsstand bei der Behandlung derartiger Krankheiten haben mein Interesse in Richtung der wissenschaftlichen Forschung erweckt.
Rückblickend würde ich jedem das Durchführen eines Betriebspraktikums im Ausland empfehlen. Es trägt nicht nur zur Erkundung eines Berufsfelds bei, sondern fördert auch die Selbständigkeit sowie die eigenen Kommunikationsfähigkeiten. Des Weiteren würde ich mich bei der Auswahl des Ortes nicht auf ein Land beschränken, mit welchem man bereits vertraut ist, sondern die Möglichkeit nutzen in ein Land zu reisen, welches einem noch fremd vorkommt. Zwar kann es dabei zu mehr Aufwand bei der Suche eines Praktikumsplatzes kommen, jedoch bietet es einem die Möglichkeit der Erkundung eines neuen Umfeldes und des eigenständigen Lebens.
Leon Ilas