Klassiker modern inszeniert

Am 4. Februar besuchten die drei Deutsch-Grundkurse der Q1 gemeinsam das Dortmunder Theater, um Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ live auf der Bühne zu erleben – ein spannender Theaterabend, der in der unten stehenden Kritik reflektiert wird.

Theaterkritik

Am 4. Februar wurde im Theaterkarree in Dortmund das Stück „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist aufgeführt.

Es handelt sich dabei um eine moderne Inszenierung von „Der zerbrochene Krug“ unter der Regie von Lola Fuchs. Die Aufführung ist insgesamt sehr modern gestaltet, obwohl die Sprache teilweise noch altmodisch wie im Original bleibt. Dadurch wirkt das Stück gleichzeitig klassisch und aktuell.

In der Inszenierung gibt es einige Veränderungen. Die Figur Walter wird als Frau dargestellt. Außerdem ist die Handlung stärker an die heutige Zeit angepasst. Eve ist Influencerin, stellt Keramik her und wird als selbstbewusste junge Frau gezeigt. Ihre Mutter verdient zunächst Geld damit, verschuldet sich jedoch später. Auch Themen wie Social Media, unter anderem durch einen angedeuteten Only Fokus, werden eingebaut. Diese Darstellung wirkt teilweise kritisch.

Trotz der Modernisierung bleibt der Kern der Handlung gleich: Es geht um eine Gerichtsverhandlung wegen einer zerbrochenen Keramik, in die der Richter selbst verwickelt ist.

Besonders gut gefällt mir Eves selbstbewusstes und offenes Auftreten. Sie wirkt stark und unabhängig und findet am Ende ihren eigenen Weg. Dadurch bekommt die Figur eine moderne Wirkung.

Die Schauspieler und Schauspielerinnen wirken insgesamt glaubwürdig. Vor allem die Rolle des Adam ist sehr überzeugend gespielt. In den Szenen mit Eve und Ruprecht war deutlich zu sehen, dass Adam stark auf Eve fixiert ist. Man kann seine Absichten gut erkennen, was die Figur noch überzeugender macht.

Auch das Bühnenbild ist gut gelungen. Das Licht ändert sich je nach Situation und unterstützt die Stimmung der Szene. Auffällig war die moderne Bühnengestaltung mit einer Live-Kamera. Häufig wurde das Geschehen gefilmt und auf einen Bildschirm übertragen, wodurch das Stück teilweise wie eine Serie wirkt.

Kritisch fand ich einige Szenen, in denen sexuelle Anspielungen und intime Momente gezeigt wurden. Diese sind teilweise schockierend und nicht für jedes Publikum passend. Außerdem wurde offen der Konsum von Zigaretten dargestellt.

Insgesamt hat mich das Stück zwar nicht besonders gefesselt, aber es war interessant zu sehen, wie ein klassisches Werk modern inszeniert werden kann.

Foto: Alessia Liggieri

Theaterkritik: Julia Knippschild