Zwischen Pagodendächern und Hochhäusern – Chinaaustausch 2026

Schüler:innen hatten in diesem März die Möglichkeit, ein Land kennenzulernen, das sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der global wichtigsten Akteure entwickelt hat. China steht heute vor der Herausforderung, rasantes wirtschaftliches Wachstum, politische Entwicklungen und eine jahrtausendealte Geschichte miteinander zu verbinden. Doch wie anders ist das Leben dort wirklich?

Um das herauszufinden, flogen wir am 20. März 2026 von Frankfurt zu unserer ersten Station nach Chengdu in der Provinz Sichuan. Die Stadt ist vor allem für ihre niedlichen Pandas und ihre scharfe Küche bekannt. Durch unsere Austauschpartner:innen sollten wir Chengdu jedoch von einer ganz persönlichen Seite kennenlernen. Nach einem langen Reisetag wurden wir von ihnen und ihren Lehrkräften herzlich vor der Chengdu Experimental Foreign Languages School empfangen – einer Privatschule in der über 20 Millionen Einwohner zählenden Metropole, die sich auf den Unterricht von Fremdsprachen wie Englisch, Deutsch, Französisch und Japanisch spezialisiert hat.

In den folgenden Tagen besuchten wir tagsüber bekannte Sehenswürdigkeiten der Region: die Pandastation, mehrere farbenfrohe Tempel, den Leshan-Buddha – eine beeindruckende Statue, die vor mehr als tausend Jahren in eine Felswand gehauen wurde – sowie die historische Anlage Dujiangyan, deren Wassersystem bereits in der Qin-Dynastie entstand und bis heute die Wasserversorgung von rund 30 Millionen Menschen in der Umgebung von Chengdu ermöglicht. Abends und am Wochenende verbrachten wir Zeit mit unseren Gastfamilien und konnten so den Alltag chinesischer Jugendlicher aus nächster Nähe erleben.

Eine besonders große Rolle im Leben chinesischer Schüler:innen spielt die Schule. Noch stärker als bei uns prägt sie den Alltag. Viele Jugendliche beginnen ihren Schultag bereits um 6:30 Uhr und bleiben bis etwa 22:00 Uhr in der Schule. Der Stundenplan wiederholt sich täglich mit denselben Fächern in unterschiedlicher Reihenfolge, ergänzt durch zusätzliche Lernzeiten, Hausaufgabenstunden und sogar Unterricht am Wochenende. Verglichen damit wirkt der eigene Schulalltag fast entspannt.

Nach all diesen gemeinsamen Erlebnissen und vielen Gesprächen über Unterschiede, aber auch überraschend viele Gemeinsamkeiten fiel der Abschied von unseren Gastfamilien schwerer als erwartet. Doch als wir im Schnellzug in Richtung Xi’an saßen – einer ehemaligen Kaiserstadt und Heimat der berühmten Terrakotta-Armee – fühlte sich die Stimmung schon eher wie auf einer Klassenfahrt mit guten Freund:innen an als wie auf einer Reise auf einem anderen Kontinent mit Menschen, die noch eine Woche zuvor größtenteils Fremde gewesen waren.

In Xi’an begegneten wir einem weiteren wichtigen Aspekt der chinesischen Kultur: der Geschichte. Über viele Dynastien hinweg war die Stadt Hauptstadt, Kaisersitz sowie politisches und kulturelles Zentrum des Reiches. Entsprechend viele Spuren dieser Vergangenheit sind bis heute erhalten. Besonders beeindruckend war der Besuch der Terrakotta-Armee, die der erste Kaiser Chinas für sein Mausoleum errichten ließ und die heute in großen Hallen nahe Xi’an ausgestellt wird. Außerdem erkundeten wir bei einer abendlichen Lichtertour die farbenfrohe Altstadt und besuchten das muslimische Viertel, das von einer der ältesten muslimischen Gemeinschaften Chinas geprägt wurde und heute ein lebendiger Ort für Souvenirs und lokale Spezialitäten ist.

Die Anreise zu unserer letzten Station, Peking, verlief etwas chaotischer als geplant: Nachdem wir unseren Schnellzug verpasst hatten, führte uns eine ungeplante Tour durch mehrere Bahnhöfe Xi’ans. Doch gerade diese Situation schweißte uns als Gruppe noch enger zusammen und vermittelte uns eine wichtige Lektion des Reisens: Für fast jedes Problem findet sich irgendwann eine Lösung. Also kauften wir neue Tickets und machten uns schließlich auf den Weg in die chinesische Hauptstadt.

Unser Aufenthalt in Peking begann – ähnlich wie zuvor in Xi’an – mit einem Blick in die Vergangenheit, diesmal jedoch in die jüngere Geschichte. Für die Olympischen Spiele 2008 wurde im Herzen der Stadt ein neues Sportgelände errichtet, das wir am Ende eines langen Tages bei einem beeindruckenden rosafarbenen Sonnenuntergang besichtigen konnten.

In den folgenden Tagen tauchten wir immer weiter in die Geschichte Pekings ein. Wir besuchten berühmte Orte wie den Platz des Himmlischen Friedens, den Kaiserpalast – besser bekannt als die „Verbotene Stadt“ – und schließlich auch die Chinesische Mauer. Sie bestätigte für viele von uns den Spruch: „Das Beste kommt zum Schluss.“ Der Spaziergang über dieses weltberühmte Bauwerk wurde für viele zu einem der Höhepunkte der gesamten Reise.

Als wir am letzten Abend am ruhigen Seeufer des Sommerpalasts saßen, konnten wir kaum glauben, dass unsere Reise am nächsten Tag bereits enden sollte. Doch genau so kam es: Nach einer Busfahrt, einem zehnstündigen Flug und einer anschließenden ICE-Fahrt standen wir wieder am Düsseldorfer Hauptbahnhof: genau dort, wo wir uns zwei Wochen zuvor getroffen hatten.

Alles war gleich. Nur wir waren anders: voller neuer Eindrücke und Erinnerungen, mit neuen Freundschaften, mit großer Wiedersehensfreude, nur mit sehr wenig Schlaf.

Johanna Eder, 9d