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GYMNASIUM AM KOTHENmit einem bilingualen deutsch-englischen Zweig ab Klasse 5
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Gymnasium Am Kothen, Schluchtstraße 34, 42285 Wuppertal, 0202 / 563-6533 Mittwoch, 13.11.2019

Sozialwissenschaften / Politik

Überblickt man die Selbstbeschreibungen des Faches Sozialwissenschaften der letzten Jahre fällt auf, dass stets aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Probleme auf regionaler, nationaler und globaler Ebene geschildert werden. Die Jahre 1989-1992 standen vor allem unter dem Vorzeichen der Auflösung der bipolaren Weltordnung und die damit verbundenen Folgen wie der Wiedervereinigung Deutschlands, der Demokratisierung osteuropäischer Staaten und der fortschreitende europäische Integration.

In den neunziger Jahren rückt vor allem der Globalisierungsprozess in den Fokus der Sozialwissenschaften, der durch die digitalen Kommunikationsmedien einen erneuten Schub erlebt hat. Gleichzeitig wurde die Welt Zeuge von sogenannten „neuen Kriegen“ die sich jenseits zwischenstaatlicher Konflikte abspielen. Hier sind der Kosovo-Krieg und der Völkermord in Ruanda nur als zwei Beispiele für solche Konflikte in einer multipolaren Weltordnung zu nennen.

Mit dem 11. September 2001 wurden die Menschen mit der Gefahr des internationalen Terrorismus konfrontiert, der das Dilemma von Sicherheit und Freiheit zum Wegbegleiter politischer Entscheidungen machte.

Heute steht die Welt unter dem Eindruck von Krisen wie der Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise, der Krim-Krise oder der Krise des Staatszerfalls und des sich ausbreitenden Fundamentalismus des Islamischen Staats im Nahen Osten und der damit einhergehenden Flüchtlingskrise. Schon in wenigen Jahren muss diese Einleitung überarbeitet werden, da sich der Wandel fortsetzen und neue, komplexe Zusammenhänge hervorbringen wird, zu denen das Fach Sozialwissenschaften einen Zugang schaffen muss.

Genau hier liegt die Aufgabe des Faches begründet: Es soll die Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu erschließen, um zu mündigen, urteils- und handlungsfähigen Bürgern zu werden:

„Die Fächer des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes leisten einen gemeinsamen Beitrag zur Entwicklung von Kompetenzen, die das Verstehen der Wirklichkeit sowie gesellschaftlich wirksamer Strukturen und Prozesse ermöglichen und die Mitwirkung in demokratisch verfassten Gemeinwesen unterstützen sollen.“

Der permanente Wandel ist dabei eine Herausforderung, der jedoch aus der sozialwissenschaftlichen Perspektive begegnet werden kann. Die Sozialwissenschaften bieten theoriegeleitete und empirische Zugänge, mit denen sich Wandel unabhängig von seiner konkreten Gestalt fassen lässt. Ebenfalls macht die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen deutlich, dass menschliches Handeln Strukturen und Bedingungen erzeugt, an denen wir unser Handeln ausrichten, die aber folgerichtig durch Handeln, insbesondere in demokratischen Gesellschaften, auch verändert werden können:

„Innerhalb der von allen Fächern zu erfüllenden Querschnittsaufgaben tragen insbesondere auch die Fächer des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes im Rahmen der Entwicklung von Gestaltungskompetenz zur kritischen Reflexion geschlechter- und kulturstereotyper Zuordnungen, zur Werteerziehung, zur Empathie und Solidarität, zum Aufbau sozialer Verantwortung, zur Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft, zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, auch für kommende Generationen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung, und zur kulturellen Mitgestaltung bei.“

Sozialer Wandel ist der ständige Wegbegleiter des Faches. Dieser Wandel verläuft vielfach konfliktreich, da verschiedene Wertvorstellungen und Interessen aufeinanderprallen. Im sozialwissenschaftlichen Unterricht ist der Miteinbezug verschiedener Perspektiven und kontroverser Positionen stets gegeben und wird permanent im Unterricht aufgegriffen. Durch methodische Zugänge wie Podiumsdiskussionen, Simulationen von Bundestagsdebatten oder Pro-Contra-Debatten lernen Schülerinnen und Schüler, wie gesellschaftliche Konflikte durch demokratische Verfahren kanalisiert und konstruktiv genutzt werden können. Die Schülerinnen und Schüler lernen so, andere Positionen zu verstehen und zu akzeptieren. Gleichzeitig üben sie, durch ideologiekritische Verfahren, Positionen kritisch zu hinterfragen und verdeckte handlungsleitende Interessen sichtbar zu machen. Theoriegeleitete, empirische, diskursive und ideologiekritische Zugänge werden dabei stets an Themen mit hoher Aktualität behandelt und durch außerunterrichtliche Angebote sinnvoll ergänzt. Die durch die Kernlehrpläne für die Sekundarstufe I und II formulierten Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenzen werden dabei anhand folgender Inhaltsfelder ausgebildet:
  • Marktwirtschaftliche Ordnung
  • Politische Strukturen, Prozesse und Partizipationsmöglichkeiten
  • Individuum und Gesellschaft
  • Wirtschaftspolitik
  • Europäische Union
  • Strukturen sozialer Ungleichheit, sozialer Wandel und soziale Sicherung
  • Globale Strukturen und Prozesse

Anhand von Beispielen aus ihrer unmittelbaren Erfahrungswelt sollen die Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse in Auseinandersetzung mit politischen und wirtschaftlichen Denk- und Lebensweisen an ein zunehmendes Verständnis ihres gesellschaftlichen Umfeldes herangeführt werden. Hinzu kommt die Ausweitung des Blickfeldes auf internationale Zusammenhänge, die vorerst durch den Bezug zu Lebenswelten von Kindern in anderen Teilen der Welt erfolgt. Durch den kontinuierlichen Unterricht in der Sekundarstufe I findet eine schrittweise Entwicklung der für das Fach festgelegten Kompetenzen statt. Bereits erworbene Kompetenzen werden vertieft und erweitert, andere auf der Grundlage der bereits ausgebildeten Kompetenzen neu erworben.

Schulbücher des Faches veralten wegen der aktuellen Bezüge recht schnell, deshalb ist das Fach stärker als andere Fächer auf die Nutzung weiterer Informationsquellen angewiesen. Medien für die Bearbeitung der möglichen Themen sind vielfältig: Internetangebote zur politischen Bildung, Fernsehbeiträge, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Lexika, Erkundungen im Wohnumfeld, Befragungen usw. Die Medien werden dabei nicht bloß als Informationsquelle genutzt. Stattdessen wird der Umgang mit ihnen selbst kritisch reflektiert und Chancen und Grenzen der verschiedenen Medien ausgelotet. Auch der aktive Umgang mit Medien im Bezug auf die Kompetenz, Arbeitsergebnisse zu präsentieren, wird im Fach Politik durch einen Lehrgang im Rahmen des Methodentrainings zu digitalen Präsentationen in der Jahrgangsstufe 5 geschult.

Dem Umstand, dass Handeln immer mehr in europäischen Kontexten stattfindet, wird in der Sekundarstufe I zusätzlich durch aktuelle Europa-Schlaglichter Rechnung getragen. Hier werden über die Obligatorik der Kernlehrpläne hinaus aktuelle Themen behandelt, die in einem europäischen Kontext stehen. Hierzu zählen zum Beispiel die Wahlen zum Europäischen Parlament oder die bereits oben erwähnte Flüchtlingskrise.

Außerhalb des Unterrichts im Fach Politik werden Angebote wie die Aufführungen des Jugendtheaters zu Suchtprävention oder dem reflektierten Umgang mit dem Internet in der Jahrgangsstufe 7 genutzt, um das Unterrichtsangebot zu ergänzen. Zudem werden die Schülerinnen und Schüler auf die Teilnahme am Wettbewerb „Jugend debattiert“ zusätzlich zum Fach Deutsch im Fach Politik in der Jahrgangsstufe 8 und 9 vorbereitet. Die Teilnahme am Wettbewerb der Wirtschaftsjunioren fördert die Anwendung des erworbenen Wissens in wirtschaftlichen und beruflichen Kontexten.

In der Sekundarstufe II liegt ein weiterer Schwerpunkt der fachlichen Arbeit neben dem Fördern der bereits genannten Ziele in der Befähigung der Schülerinnen und Schüler zum Aufgreifen eines Studiums. Hierzu werden fachwissenschaftliche Methoden vertiefend eingeübt und deren Anwendung in Klausuren, Referaten, mündlichen Prüfungen und Facharbeiten eingefordert. Durch die Teilnahme an Wettbewerben wie dem Börsenspiel der Sparkasse können die Schülerinnen und Schüler das erworbene Wissen in außerschulischen Kontexten anwenden. Die Fähigkeit zur Ideologiekritik steht besonders bei der Teilnahme an den Präventionstagen gegen Rechts der Landeszentrale für politische Bildung NRW in der Einführungsphase im Vordergrund. In der Qualifikationsphase werden im Zusammenhang mit geldpolitischen Themen regelmäßig Workshop-Angebote der Deutschen Bundesbank in Düsseldorf genutzt.

Sowohl in der Sekundarstufe I als auch in der Sekundarstufe II ist für die Zukunft des Faches ein stärkerer Bezug zu Themen im europäischen Kontext auch außerhalb des Unterrichts angedacht. Hier ist zum Beispiel eine Europafahrt in der Jahrgangsstufe 9 angedacht, die in Kooperation mit den europäischen Fremdsprachen an dieser Schule umgesetzt werden kann. Ebenso ist eine vertiefte Kooperation mit außerschulischen Partnern in der Sekundarstufe II sowie eine stärkere Ausrichtung der Zusatzkurse an Europa angedacht. Die Auseinandersetzung mit der europäischen Integration soll in den Sozialwissenschaften dabei immer kritisch reflektiert werden und nicht in einem oberflächlichen Europa-Enthusiasmus münden. Denn auch die europäische Integration kann nur dann gelingen, wenn sie von mündigen Bürgern getragen wird.